Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) hat seit dem Omnibus-Paket im Februar 2026 ein neues Gesicht. Während sich die Zahl der direkt berichtspflichtigen Unternehmen um rund 90 Prozent reduziert hat, bleibt der Datenbedarf in den Lieferketten ungebrochen — auch für Büromöbel-Einkäufe. Dieser Leitfaden zeigt, was sich durch Omnibus konkret geändert hat, welche Unternehmen heute direkt oder indirekt betroffen sind und welche Daten Sie vom Möbel-Lieferanten anfordern sollten.
1. Wen die CSRD nach dem Omnibus-Paket noch direkt betrifft
Mit der Richtlinie (EU) 2026/470, in Kraft seit 18. März 2026, hat die EU den Anwendungsbereich der CSRD drastisch verkleinert. Statt rund 50.000 Unternehmen EU-weit fallen heute nur noch etwa 5.000 unter die direkte Berichtspflicht. Die neuen Schwellenwerte:
Für die verbleibenden Unternehmen beginnt die Pflicht einheitlich ab dem Geschäftsjahr 2027 — der erste vollständige Nachhaltigkeitsbericht ist also 2028 zu veröffentlichen. Unternehmen unter den neuen Schwellenwerten, die ursprünglich ab 2025 oder 2026 hätten berichten müssen, fallen faktisch aus der Pflicht heraus.
Deutschland: Umsetzung steht aus
Die Bundesrepublik hat die ursprüngliche CSRD bisher nicht in nationales Recht umgesetzt — die Umsetzung der Omnibus-Fassung wird im Laufe des Jahres 2026 erwartet. Bis dahin gilt für die meisten Unternehmen weiterhin der Rahmen des CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetzes (CSR-RUG) aus 2017, also die NFRD.
2. Der Trickle-down-Effekt — wenn Sie nicht selbst berichten müssen
Hier liegt der zentrale Punkt für die meisten Mittelständler: Auch wenn Ihr Unternehmen unter den neuen Schwellenwerten liegt, werden Ihre berichtspflichtigen Großkunden weiterhin ESG-Daten von Ihnen einfordern. Das gilt insbesondere für Lieferanten von Büromöbeln, weil diese in der Scope-3-Bilanz der Kunden unter «Purchased Goods & Services» (Kategorie 1) fallen — eine der am häufigsten als wesentlich eingestuften Kategorien.
Die EU hat versucht, diesen Trickle-down-Effekt durch zwei Mechanismen abzufedern:
- VSME-Standard (Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs): Nicht kapitalmarktorientierte KMU können einen freiwilligen, deutlich schlankeren Bericht nach VSME erstellen. Berichtspflichtige Großunternehmen dürfen von Lieferanten mit weniger als 1.000 Mitarbeitenden grundsätzlich keine Informationen einfordern, die über VSME hinausgehen — Ausnahmen sind eng begrenzt.
- LSME-Standard für börsennotierte KMU mit einer vereinfachten Berichterstattung.
Praktisch bedeutet das: Statt auf individuelle Fragebögen jedes einzelnen Kunden zu reagieren, empfiehlt sich für Möbel-Lieferanten eine einmalige, standardisierte Datenaufbereitung. Genau das ist der Hintergrund dafür, dass wir bei büro Project für unser komplettes Sortiment PCF-Datenblätter nach GHG Protocol erstellen.
LkSG bleibt parallel relevant
Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) gilt unabhängig von der CSRD und betrifft Unternehmen ab 1.000 Beschäftigten. Es verpflichtet zu Risikoanalysen, Präventionsmaßnahmen und Beschwerdeverfahren in der Lieferkette — auch hier sind Lieferanten-Informationen die Datengrundlage.
3. Was Großkunden ab 2027 von Büromöbel-Lieferanten anfordern
Wer heute ESG-Reporting plant, wird in den nächsten Monaten konkrete Datenanfragen an Möbel-Lieferanten verschicken. Die häufigsten sechs Themen:
| Datenthema | Was konkret angefordert wird |
|---|---|
| Product Carbon Footprint | CO₂-Wert pro Produkt nach ISO 14067 oder GHG Protocol, mit Bilanzierungszeitraum und Systemgrenzen |
| Materialherkunft | Holz-Zertifizierungen (FSC, PEFC), Recycling-Anteile bei Metall und Kunststoff, Lieferantenland |
| Produktionsstandort | Wo wird gefertigt, welche Energiequellen, Transportwege bis zum Werkstor |
| Lebensdauer & Reparierbarkeit | Erwartete Nutzungsdauer, Verfügbarkeit von Ersatzteilen, Modularität |
| Soziale Mindeststandards | Arbeitsbedingungen in Produktion und Vorlieferkette, Zertifizierungen, Risikoländer |
| Kreislaufwirtschaft | Rücknahmeprogramme, Refurbishment, Recyclingfähigkeit am Lebensende |
Wichtig: Diese Anforderungen kommen nicht alle gleichzeitig — aber sie werden über die nächsten zwei bis drei Jahre kumulativ Standard.
4. Product Carbon Footprint als zentrale Kennzahl
Der Product Carbon Footprint (PCF) misst die Treibhausgasemissionen, die bei der Herstellung eines Produkts entstehen — gemessen in CO₂-Äquivalenten (CO₂e). Für Büromöbel umfasst das die Wertschöpfung von der Rohstoffgewinnung über die Fertigung bis zur Auslieferung am Werkstor (sogenannte cradle-to-gate-Bilanz).
Welcher Standard — ISO 14067 oder GHG Protocol?
Beide Standards sind anerkannt und für CSRD-Reporting geeignet. Der wesentliche Unterschied liegt in der Detailtiefe der vorgeschriebenen Dokumentation; inhaltlich kommen sie bei korrekter Anwendung zu vergleichbaren Ergebnissen. Wir bei büro Project bilanzieren nach GHG Protocol Product Standard in Kombination mit dem IT-gestützten Verfahren von greenable.tech.
Gespeicherter Kohlenstoff bei Holzmöbeln
Eine Besonderheit bei Möbeln mit hohem Holzanteil: Holz bindet während des Pflanzenwachstums CO₂. Dieser Kohlenstoff bleibt für die Lebensdauer des Möbelstücks im Produkt gespeichert und wird in einer korrekten Bilanz separat als negativer Wert ausgewiesen — nicht etwa in die PCF-Hauptzahl eingerechnet. So wird Transparenz über die tatsächliche Klimawirkung geschaffen.
Video: Einblick in den Nachhaltigkeits-Ansatz und die PCF-Bilanzierung bei mann Objecta
Konkrete PCF-Werte für unser Sortiment
Auf unserer Übersichtsseite finden Sie Beispiel-Werte für Bürotisch UP, Rollcontainer MOVE und weitere Produkte — inklusive Methodik, Bilanzierungszeitraum und Hinweisen zum gespeicherten Kohlenstoff. PCF-Datenblätter für Ihre konkrete Auswahl auf Anfrage.
Zur CO₂-Übersicht →5. Materialien, Kreislaufwirtschaft, soziale Verantwortung
Über den PCF hinaus werden in der CSRD-Berichterstattung weitere ESRS-Themen relevant. Für Büromöbel-Einkäufer sind vor allem drei Standards wichtig:
ESRS E5 — Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft
Hier geht es um die Frage, woher Materialien kommen und wo sie am Lebensende landen. Konkrete Datenpunkte für den Einkauf: Anteil recycelter Materialien, Anteil zertifizierter Rohstoffe (z. B. FSC/PEFC für Holz), Rücknahme- und Recyclingprogramme des Herstellers. Möbel mit langer Lebensdauer und Reparaturfähigkeit erfüllen die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft am besten.
ESRS S2 — Arbeitnehmer in der Wertschöpfungskette
Berichtspflichtige Unternehmen müssen darlegen, wie sie Arbeitsbedingungen in ihren Lieferketten sicherstellen. Lokale Produktion in der EU vereinfacht diese Berichterstattung erheblich, weil EU-Arbeitsrecht und Sozialstandards gelten. Möbel aus Deutschland oder anderen EU-Ländern bedeuten in der Regel deutlich weniger Risiko und Dokumentationsaufwand als Importware aus Drittländern.
Zertifizierungen als pragmatischer Nachweis
Wer es seinen Einkäufern leicht machen will, dokumentiert Material- und Sozialstandards über etablierte Zertifizierungen. Die wichtigsten:
- FSC / PEFC — Nachhaltige Forstwirtschaft (Holzbestandteile)
- Blauer Engel RAL-UZ 38 — Schadstoffarme Möbel und Materialien
- EMAS / ISO 14001 — Umweltmanagementsystem des Herstellers
- GS-Zeichen — Geprüfte Sicherheit
6. Praxis-Checkliste für CSRD-konformen Möbel-Einkauf
- PCF-Datenblatt pro Produkt — nach ISO 14067 oder GHG Protocol, mit Bilanzierungszeitraum und Systemgrenzen
- Materialnachweise — FSC/PEFC für Holz, Recycling-Anteile bei Metall und Kunststoff
- Produktionsort und -prozesse — wo gefertigt wird, welche Energiequellen
- Erwartete Lebensdauer in Jahren, sowie Verfügbarkeit von Ersatzteilen
- Reparierbarkeit und modulare Konstruktion (austauschbare Komponenten)
- Lieferketten-Transparenz — Herkunft der wichtigsten Vorprodukte
- Soziale Mindeststandards — Arbeitsbedingungen, Zertifizierungen, EU-Produktion
- Rücknahme- oder Refurbishment-Programm — was passiert am Lebensende
- Schadstoff-Zertifikate — Blauer Engel, Greenguard oder vergleichbar
- Aktualisierung — Wann wurden die Daten zuletzt verifiziert
Diese Liste ersetzt keinen vollständigen ESG-Fragebogen — aber sie deckt die wichtigsten Datenpunkte ab, die berichtspflichtige Unternehmen ab 2027 für ihre Scope-3-Bilanz brauchen.
7. Häufige Fragen
Brauche ich CSRD-Daten, wenn mein Unternehmen unter den neuen Schwellenwerten liegt?
Direkt berichtspflichtig sind Sie nicht. Aber wenn Sie Großunternehmen mit über 1.000 Mitarbeitenden und 450 Mio. € Umsatz beliefern oder mit ihnen zusammenarbeiten, werden diese Datenanforderungen über den Trickle-down-Effekt an Sie weitergeben. Wir empfehlen, sich daher mindestens am VSME-Standard zu orientieren und produktspezifische CO₂-Daten von Ihren Lieferanten zu erfragen.
Ab wann gilt die reformierte CSRD?
Die Richtlinie (EU) 2026/470 ist am 18.03.2026 in Kraft getreten. Mitgliedstaaten haben bis zum 19.03.2027 Zeit für die nationale Umsetzung. Für die neue Welle berichtspflichtiger Unternehmen (über 1.000 MA + 450 Mio. € Umsatz) beginnt die Pflicht mit Geschäftsjahr 2027 — der erste Bericht wird 2028 veröffentlicht. Unternehmen unter den Schwellenwerten sind faktisch nicht mehr berichtspflichtig.
Was ist der Unterschied zwischen CSRD und VSME?
Die CSRD ist die verpflichtende Richtlinie für Großunternehmen, mit detaillierter Berichterstattung nach den europäischen ESRS-Standards. VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs) ist ein deutlich schlankerer, freiwilliger Standard, den KMU nutzen können, um eine standardisierte ESG-Auskunft an ihre Großkunden zu geben — ohne den vollen Umfang der CSRD erfüllen zu müssen.
Wie unterscheidet sich PCF von einer Life Cycle Assessment (LCA)?
Der Product Carbon Footprint betrachtet ausschließlich die Klimawirkung eines Produkts in CO₂-Äquivalenten. Eine LCA (Ökobilanz nach ISO 14040/14044) ist umfassender und betrachtet weitere Umweltwirkungen wie Wasserverbrauch, Versauerung, Landnutzung. Für CSRD-Reporting reicht meistens ein PCF; für vertiefte Analysen empfiehlt sich eine LCA.
Brauche ich für jedes einzelne Möbelstück einen PCF?
Nicht zwingend. Für die CSRD-Berichterstattung reicht es, die wesentlichen Produktgruppen mit konkreten Werten zu hinterlegen. Bei produktähnlichen Varianten (z. B. derselbe Schreibtisch in unterschiedlichen Farben oder Längen) kann ein PCF stellvertretend für eine Produktfamilie genutzt werden, sofern die Bilanzierungs-Logik dokumentiert ist.
Wer prüft die CSRD-Daten?
CSRD-Berichte müssen durch einen Wirtschaftsprüfer mit einer sogenannten «limited assurance» geprüft werden. Das ist eine Prüfung mit eingeschränkter Sicherheit, die mittelfristig auf «reasonable assurance» (vergleichbar mit Finanzberichten) angehoben werden soll. PCF-Datenblätter von Lieferanten sind dabei Teil der Beleg-Dokumentation und müssen plausibel und nachvollziehbar sein.
Was ist mit dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG)?
Das LkSG gilt in Deutschland unabhängig von der CSRD und betrifft Unternehmen ab 1.000 Beschäftigten. Es verlangt eine Risikoanalyse, Präventionsmaßnahmen und ein Beschwerdeverfahren in der Lieferkette. Auch hier sind belastbare Lieferanten-Informationen die Datengrundlage. CSRD und LkSG ergänzen sich also; beide bleiben für ihre jeweiligen Adressaten verbindlich.
Wie kann ich CSRD-konformen Einkauf operativ umsetzen?
In drei Schritten: Erstens — Lieferantenfragebogen oder Datenformular standardisieren (am besten an VSME oder ESRS angelehnt). Zweitens — bevorzugte Lieferanten mit transparenter Datenlage aufbauen, die produktspezifische PCFs liefern können. Drittens — Datenpflege etablieren, denn ESG-Werte sind nicht statisch und werden jährlich aktualisiert.
8. Fazit
Die Omnibus-Reform der CSRD hat den Kreis der direkt berichtspflichtigen Unternehmen drastisch reduziert — die Verpflichtung zur Datenbereitstellung in der Lieferkette bleibt jedoch bestehen. Mittelständische Einkäufer und Möbel-Lieferanten kommen deshalb nicht umhin, sich auf die kommenden ESG-Anforderungen ihrer Großkunden vorzubereiten.
Für Büromöbel heißt das konkret: Produktspezifische CO₂-Daten, klare Materialnachweise und transparente Lieferketten werden zum Marktstandard. Wer als Einkäufer schon heute die richtigen Fragen stellt, ist 2027/2028 vorbereitet — und wer als Lieferant proaktiv liefern kann, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil.
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